Großeltern von heute – Kinder von damals

Kriegskinder – Die vergessene Generation (3/5)
Frau G. (*39):
„[…] Unsere Kaninchen und Hühner haben wir nach Schwalbach in die Schillerstraße zu meiner Tante gebracht, denn die hatte vor, nicht wegzugehen. Sie wollten nicht mehr. Und die haben damals unser Vieh bekommen, und was mir furchtbar weh tat: auch unsere Katze. Die konnten wir ja nicht mitnehmen.

Ja und dann sind wir zu Fuß über Elm und auf Höhe der Straße zwischen Schwarzenholz und Heusweiler sind wir dann von JaBos (Jagdbombern) angegriffen worden. Ich kann mich erinnern, dass zwei alte Männer dabei waren und ansonsten nur Frauen und Kinder mit Handwägen. Mehr durften wir ja nicht mitnehmen. Wir sind dann beschossen worden und haben alles stehen lassen. Da war ein Stück freies Feld, daran kann ich mich sehr gut erinnern. Wenn ich heute dort vorbei fahre, bekomme ich jedes Mal Gänsehaut. Dort ist Lehmboden. Es muss vorher geregnet haben, da der Lehm so matschig war, dass mir die Schuhe stecken geblieben sind. Sie mussten mich dann an den Armen aus den Schuhen ziehen und in den Wald schleppen, wo wir uns dann verkrochen haben. Später haben wir gesehen, dass wir vielleicht gar nicht das Ziel waren, sondern ein Militärfahrzeug. Wie viele Personen in dem Auto waren, ob Frauen oder Männer, das kann ich ihnen nicht mehr sagen, aber wir haben die toten Menschen gesehen. Und die waren unerkenntlich. […]

Wir sind dann weiter in Richtung Heusweiler, ist es jetzt Kurhof? Ich weiß es nicht mehr so genau. Dort stand ein Bauernhaus und der Bauer hat das alles beobachtet. Er hat die Scheune aufgerissen und gesagt, wir sollen schnell reinkommen. Dann hat er das Tor zugemacht und er sagte: „Betet, die suchen euch, betet, dass sie mir nicht das Haus beschießen.“ Und die haben wirklich etliche Runden gedreht.

Als wir dort beschossen wurden – und davon träume ich heute noch sehr oft – der Pilot hatte eine Gummikappe und eine Brille an. Dieses Gesicht sehe ich immer noch vor mir.“

Frau S. (*36):
„Ja und dann 1945, 1944, der große Aufbruch war ja am 8. Dezember, also da sind alle Leute hier von… sagen wir von der „Westfront“, die ja Kriegsgebiet war, mussten dann aufbrechen. Mein ältester Bruder war mittlerweile an der Front und dann ist – wie gesagt -  die Mutter mit dem anderen Bruder und mir und der Vater war auch dabei, wir sind dann mit dem Ziehwägelchen - das, was man halt mitnehmen konnte, aufgebrochen. Wir sind bis Schwarzenholz gekommen und da war da so ein Tross, also Pferdewagen mit – ob das jetzt Futter für die Pferde war – also ich weiß nicht, zehn, zwanzig so Pferdewagen, die sind also auch in unsere Richtung gezogen. […] Es war eine eiskalte Nacht und wir sahen da schon in den Wiesen, Feldern, wo wir vorbeigefahren sind, die Pferde lagen, Bombentrichter und alles. Also erschlagene, erschossene Pferde. […] Und in der Sylvesternacht 1944/45, um 12 Uhr hat ja dann der Hitler gesprochen. Da wollten natürlich alle wissen, was sagt er, wie sieht’s aus.

Na Ja und in dieser Nacht, wie gesagt, mein Vater war sehr interessiert, was sagt er jetzt. Und auf einmal klopft es an der Tür, mitten in der Nacht. Ja was ist nun? Von draußen eine Stimme: „Herr F., machen sie mal auf, ich habe einen Gast für sie!“. Was ist denn das jetzt? Da machen wir auf und da steht der Herr R. mit meinem Bruder vor der Tür. Der war, mittlerweile war der, hatte eine Kriegsverletzung und hatte jetzt also Genesungsurlaub. Und dadurch, dass mein Vater dem gesagt hat: „Wenn was ist, wir treffen uns bei Herr R..“, war der auch dort hin und ist dann so zu uns rüber. Ja und da hatten wir die fünfte Person mit zwei Betten. Durch den Fuß, der war ja noch nicht in Ordnung, war es für den auch schwierig, mit einem Anderen im Bett zu schlafen und so. Und mein Vater ist auch öfter mit dem Fahrrad hier heimgefahren um zu gucken, was ist. Und noch ein Onkel von uns, die waren da zwischen Illingen und St. Wendel evakuiert und da ist er immer von dort zu uns gekommen und dann mit meinem Vater heimgefahren. Weil in dem Haus, wo ich sagte, oberhalb vom Cusanushaus, da lebte ja noch unsere Großmutter, die war da mit zwei unverheirateten Töchtern in dem Haus und gegenüber, die Häuser, die so zurückstehen, die hatten gute Keller und dort waren die dann bei Angriffen im Keller. Ja und da haben die dann auch immer nach der Mutter, also die Großmutter nannten wir alle „Mutter“, da zu gucken, da sind die öfter mit den Rädern heim. Ja und als dann mein Bruder da war, da ist mein Vater mit dem jüngeren Bruder, die sind dann mit den Rädern hier heim und haben das - „Cheselong“ sagten wir - also so eine Liege, auf den Schlitten gepackt und sind von da, von Schwalbach nach Marpingen, auf dem Schlitten die Liege gebracht und solche Scherze.“

Frau P. (*39):
„Mein Opa, der war krank, der hatte Magenkrebs und der kam mit dem Krankenauto. Das waren Krankenautos, so Rot Kreuz- Autos, die haben dann die Kranken extra weggebracht und der kam dann von Schwalbach aus direkt nach St. Wendel ins Krankenhaus. Er ist dann dort auch vor Weihnachten noch gestorben. Noch zwei Geschwister von meiner Mutter, die waren auch in Theley, im selben Ort wie wir. Und die wollten dann alle, dass der Opa nach Schwalbach auf den Friedhof überführt werden soll. Das hat natürlich kein Unternehmer machen wollen. Und mein Onkel, der hatte ein Geschäft; und zwar hat der, wie hat man den genannt? Der hatte die „Kaandeln“ gemacht am Haus. Installateur glaube ich. Ein Klempner!? Klempner! Ganz genau! Der hatte dann so ein 3-rädriges Auto. Mein Papa und der Onkel, die haben dann den Sarg nach Schwalbach geschafft. Da war ja natürlich keiner da vom Friedhof aus, der die Gräber ausheben konnte. Die haben dann selber das Grab ausgehoben. Es war ein ganz, ganz harter Winter, es war unheimlich hart gefroren, hat mein Papa gesagt. Und die mussten, also da ist immer noch geschossen worden. Da war ja noch Krieg. Die mussten zig Mal die Arbeit unterbrechen und dann im Kirchenkeller Zuflucht holen vor der Schießerei.

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