Großeltern von heute – Kinder von damals

Kriegskinder – Die vergessene Generation (4/5)

Zur zweiten Evakuierung 1944:

Frau P. (*39):
„Da sind auch noch einige Leute von Schwalbach, die hier geblieben sind, die sind auch umgekommen. Die waren dann im Keller, als das Haus beschossen wurde. Ich weiß das auch nicht so genau. Und ja, die haben dann den Opa auf alle Fälle hier in Schwalbach beerdigt. Der Pfarrer, der war auch noch da, der konnte das dann machen. […] Vor allem dann nachher bei der Evakuierung, da waren wir nicht weit weg, wir waren in Theley. Und das war die Straße direkt unterm Schaumberg; also eine abgelegene Straße, nicht direkt im Ort. Da kann ich mich sehr gut erinnern, wie Amerikaner dann gekommen sind – die waren natürlich durch alle Straßen gefahren mit ihren Panzern und so – haben aber den Kindern dann Süßigkeiten geschenkt. Also sie waren ganz lieb. Wollten sich auch – wahrscheinlich – beliebt machen bei den Leuten.“

Anfang Mai 1945: Die Wehrmacht kapituliert bedingungslos.

27. Juli 1945: Die französische Militärregierung übernimmt die Verwaltung des Saarlandes

Frau G.:
„Das war dann, ich weiß noch, Anfang Mai habe ich Geburtstag und da waren wir noch in Burg Bernheim. Und da hieß es: Ab nach hause! Anfang Juni durften wir dann heim; ich weiß nicht, wie oft wir im Zug umgestiegen sind. Wir kamen dann in Wadgassen an. Nicht in Bous und nicht in Völklingen, wir kamen in Wadgassen an. Meine Mutter hatte damals Verwandte in Hostenbach, dort hat sie sich einen Handwagen ausgeliehen, für unser bisschen Gepäck. Über die Saar gab‘s da eine Notbrücke – vielleicht so breit (Zeigt mit den Händen ca. 60 cm). Meine Geschwister und meine Mutter mussten aufpassen, dass der Wagen nicht in die Saar gefallen ist. Als wir dann drüben waren sagte sie: „So, jetzt können wir beten! […] Dann sind wir heimgekommen. Unser Haus stand zwar, aber das Dach nach hinten war halt weg, die Fensterläden waren weg, früher hatte man ja solche Klappläden. Rollläden gab’s ja nicht. Die waren weg, verschiedene Fenster waren kaputt. Was wir noch im Hause hatten – mein Vater war Bergmann – wir hatten noch Kohlen im Keller. Ein großer Teil war zwar weg, aber wir konnten zumindest heizen. Denn das war damals ja; es war kein Gas da, es war kein Wasser da. Wir sind bis nach Bous mit dem Handwagen und mit einem Einkochapparat und ich weiß nicht, was noch alles. Unten an den Bach, an die Schafbrücke, wenn sie Bous runter kommen und haben da Wasser geschöpft. Sind den Berg wieder hoch. Das Wasser musste abgekocht werden. Bis mal Wasser aus dem Wasserhahn lief, verging eine lange Zeit. […] Diese Zeit hat uns vielleicht auch stark gemacht für das, was nachher noch kam. Dann kam die, Währungsreform war’s nicht, auf jeden Fall haben die Franzosen uns gegen die Reichsmark Franc eingetauscht. Wir hatten noch Lebensmittelkarten, da bekamen wir mal Obst zugeteilt. Und ich weiß noch, die erste Apfelsine, die ich hatte, die war so schön. Die habe ich so lange aufgehoben, bis sie vertrocknet war. Ich habe sie nur immer angeschaut. Ich mich nicht getraut, sie zu essen. Da gab’s eine Zuteilung und da gab’s auch mal Kartoffeln. Und ich weiß noch, in Griesborn, da war ja eine Grube, am Eisenbahnschacht und da war ja Bahnverkehr; dort mussten wir hin um die Kartoffeln abzuholen. Die waren alle „verkalt“. Was machen wir mit denen? Wir waren froh, die waren rot, die waren süß. Wenn man heute Süßkartoffeln isst; die sind noch 100 Mal besser als die, die wir damals gekriegt haben. Was haben wir gemacht? Damals gab’s ja die großen Küchenherde. Wir haben sie dann in Scheiben geschnitten und auf dem Herd geröstet. Auch Brot – es gab ja nicht viel für drauf – haben wir geröstet. Ein Toaster ist heute ja…, damals war da nicht dran zu denken.

Aber wir waren froh, wir mussten nicht mehr aus dem Bett raus und mussten nicht mehr in den Bunker laufen und nicht mehr in den Stollen. Ja und damals ging es uns – verhältnismäßig zum „Reich“ hat man damals gesagt – gut. Die Franzosen haben dann aus Nordafrika und Marokko, das waren ja französische Kolonien; da haben wir Obst gekriegt. Ich weiß, wir haben damals Linsen bekommen. Meine Mutter hat dann Linsengemüse gekocht. Da mussten wir uns aber erst hinsetzen und die Linsen fähen. Da waren Maden drin! Sonst hätten wir die mitgegessen. Wir mussten alle da sitzen und Linsen fähen. Ich kann heute noch keine Linsen essen! (lacht) […] Wir hatten nur in dem Glück; mein Vater war in russische Gefangenschaft geraten und der hatte die Blutgruppe 0. Der war schon hinterm Ural! Der Sohn vom Lagerkommandanten wurde von einem Hund gebissen und hat viel Blut verloren. Mein Vater hat sich dann als Blutspender gemeldet. Er hat gesagt: „Die haben mich auf den Tisch geknallt“. Von Hygiene war keine Rede. Er hat dann Blut gespendet und sie haben ihn danach ein paar Tage in Einzelhaft gehalten. Mein Vater meinte: „Für den Fall, wenn der Bub das Blut nicht vertragen hätte, hätten sie mich an die Wand gestellt.“ Das ging dann aber gut aus und da wurde er aus russischer Kriegsgefangenschaft entlassen. Im Juli. Er hatte ja Papiere dabei und kam dann nach Berlin, wo die Amerikaner waren. Da haben die ihn festgehalten. Sie haben ihn durch eine Mühle gedreht, gefragt, bis er nicht mehr wusste, was. Sie dachten, es wäre ein Spion. Die Russen haben ihn ausstaffiert mit einem dicken, wattieren Mantel und Stiefeln. Die Amerikaner haben ihm alles abgeholt. Ich kann mich noch daran erinnern, er hatte so eine dünne, amerikanische Uniformjacke ohne Abzeichen und eine Hose an und war ausgemergelt. Wir hatten dann Glück, Weihnachten 46 war er schon zuhause. […]“

Frau S. (*36):
„Dann sind wir zurückgekommen, sie wollte ja wissen, wie wir heimgekommen sind. Die eine Frau, die hat ja auch erzählt, dass ihr Vater den Keller abgestempelt hatte, dass wenn das Haus zusammenbricht, dass wenigstens… Hat mein Vater auch gemacht. Und dann, in die Kellerlöcher sagt man ja so, in die Kellerfenster Säcke mit Heu gefüllt; wenn Splitter, dass die Säcke dann die Splitter abfangen und so. Ja und wir waren ja dann weg und als wir zurückgekommen sind, hatten wir mehrere Einschläge, auch unmittelbar an der Hausfront war ein Einschlag und hat da die Kellerlöcher eingedrückt. Und die ganzen, die ganzen Stempel waren voller Splitter. Also wenn da einer im Keller gesessen hätte…Wäre auch nichts heiles dabei übrig geblieben.“

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