Behinderung kein Hindernis

Gedanken zum Verhalten gegenüber behinderten Menschen

Vielleicht hast Du Dich schon einmal gefragt, wie Menschen mit einer Behinderung leben und wie man sich gegenüber Behinderten richtig verhält. Denn gut gemeinte Hilfe ist nicht immer angebracht.

Behinderte Menschen leben auf ganz unterschiedliche Art. Das "Wie" hängt auch davon ab, welche Behinderung ein Mensch hat. Denn es gibt Menschen, die eine körperliche Behinderung haben und Menschen, die eine geistige Behinderung haben. In extremen Fällen kann auch beides zusammen kommen. Auch vom Alter eines behinderten Menschen hängt es ab, wie er lebt.

Heute haben es Behinderte viel leichter im Leben als noch vor 50 Jahren. Sie können, abhängig von der Art der Behinderung, eine Berufsausbildung machen und es gibt heute Gesetze und technische Hilfsmittel, die ihnen vieles einfacher machen.

Ein berühmtes Beispiel für einen körperlich behinderten Menschen, der enorme geistige Leistungen erbringt, ist der Physiker Professor Stephen William Hawking. Durch die Krankheit „amyotrophe Lateralsklerose“, eine chronische Erkrankung des zentralen Nervensystems, ist Hawking auf den Gebrauch eines Rollstuhles und eines speziellen Sprachcomputers angewiesen.

Behinderte werden auch nicht mehr von den "Normalen" ausgegrenzt. Klar, es gibt immer wieder Fälle, wo sich Leute zum Beispiel durch geistig behinderte Menschen gestört fühlen, aber das kommt sicherlich nicht mehr so häufig vor wie früher – sollte man zumindest hoffen.

Manche körperlich Behinderte leben dank technischer Hilfsmittel recht selbstständig zu Hause. Dann gibt es Wohngemeinschaften, in denen Behinderte mit Nichtbehinderten zusammenleben. Anfang der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts machte ein Verein in der Stadt Marburg Schlagzeilen. Er betreute zum ersten Mal geistig Behinderte in ihren eigenen Wohnungen.

Je unabhängiger ihre Lebenslage dadurch war, desto besser kamen sie im Leben zurecht. Behinderte Menschen sind nicht immer hilflos, denn sie haben gelernt, mit ihrer Behinderung zu leben und erwarten, so akzeptiert zu werden, wie sie sind. Oft können sich Personen mit einer Behinderung gut selbst helfen. Und wenn nicht, dann wissen sie selbst am besten, wie man ihnen helfen kann.

Deshalb solltest Du nicht darauf bestehen zu helfen, wenn ein behinderter Mensch Dein Angebot dankend ablehnt. Wird Deine Hilfe angenommen, so handele nach den Wünschen oder Anweisungen der behinderten Person, denn sie weiß am besten, was zu geschehen hat. Gehbehinderten Menschen kannst Du auf Wunsch beim Ein- und Aussteigen, beim Treppensteigen, beim Tragen oder bei Eisglätte behilflich sein.

Einer Person im Rollstuhl kannst Du auf Wunsch bei der Überwindung von Stufen, Bordsteinkanten und ähnlichen Hindernissen behilflich sein. Einen blinden Menschen musst Du immer von vorne ansprechen. Nicht plötzlich und, ohne etwas zu sagen, anfassen – auch wenn Du es gut meinst -, sonst bekommt diese Person einen Riesenschreck.

Und auch bei blinden Menschen gilt der Grundsatz: Erst fragen - dann helfen! Ähnliches gilt auch für Menschen, die nicht hören können. Du musst von hörbehinderten Menschen und gehörlosen Menschen gesehen werden, bevor Du ihnen Deine Hilfe anbietest. Dass, was Du einem Hörbehinderten sagen willst, muss die Person von deinem Mund ablesen können.

Der Umgang mit geistig behinderten Menschen erfordert noch viel mehr Geduld und Verständnis. Mit einem geistig behinderten Menschen musst Du in kurzen und klaren Sätzen sprechen – aber bitte keine Babysprache.

Mache lieber eine Sache vor, anstatt lange Erklärungen abzugeben. Geistig behinderte Menschen verstehen viel mehr, als Du vielleicht denkst. Deshalb muss man mit geistig behinderten Menschen genauso höflich umgehen wie mit gesunden Menschen. Aber das dürfte eigentlich selbstverständlich sein.

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