Infos für Erziehungsberechtigte
Zerfall von Werten, unzureichende Orientierung, zunehmende Vereinsamung und Beziehungslosigkeit sind Schlagwörter für die Erklärungsmodelle jugendlichen Fehlverhaltens. In der Sprache der Jugendlichen heißt dies Langeweile, Abhängen wollen, keinen Bock haben, cool sein, ich brauche keinen und mach was ich will, was nicht selten zur Frage führt, was überhaupt der Sinn des Lebens ist.
Sie machen Kinderspielplätze, Schutzhütten, öffentliche Parks und Einkaufszentren zu ihren vermeintlichen „Freiräumen“. Aber nicht nur geographische Gegebenheiten werden zu diesen „Freiräumen“, sondern auch ihr Wunsch nach Orientierung und Zugehörigkeit verschafft ihnen Zugang zu Idealen und Idolen, hinter denen nicht selten radikale Verhaltensweisen zum Vorschein kommen.
Jugendliche erfahren oft, daß sie unerwünscht sind, da Akzeptanz und Toleranz bzgl. ihres Verhaltens fehlt. Ihre Lebenswelt ist bestimmt von sozialem Außenseitertum, Drogen, Gewalt und Selbstgefährdung, ausgelöst durch den permanenten Existenzdruck. Anwohner beschweren sich, Eltern haben Angst um ihre Kinder, Lehrer sind sprach- und machtlos. Die gesamte Öffentlichkeit beklagt sich über die Entwicklung „der Jugendlichen von heute“. Man beschwert sich über sie, sie werden stigmatisiert und ausgegrenzt.
Oftmals werden ordnungspolitische Maßnahmen in den Vordergrund gestellt, um die Ausmaße so gering wie möglich zu halten. Sie werden ausgegrenzt, weil sie Probleme machen. Jugendliche werden allzuoft in der öffentlichen Wahrnehmung auf diese Probleme reduziert. Nicht die Probleme, die die Jugendlichen machen, dürfen in den Vordergrund gestellt werden, sondern die Probleme, die sie haben. Jugendliche wünschen sich häufig Anerkennung durch Erwachsene. Sie erleben dann Anerkennung, wenn beide Generationen konstruktiv diskutieren und sich ihre Lebens– und Freizeitbedingungen verbessern: Sei es, dass sie finanzielle Zuschüsse für ihre Jugendarbeit erhalten oder geeignete Räumlichkeiten finden.


